Wertvollstes Glas im Verkaufsraum Theresienthal
königlich priviligierte Kristall-Fabrik Theresienthal

Glashütte Theresienthal in Zwiesel

„Es ist ein unendlich Kreuz, fein Glas zu machen“.

Michael von Poschinger bei der Ansprache vor den Glasmachern, bei der Übernahme der Glashütte Theresienthal 1861.

„Aber , es ist das schönste Familiengeschenk der Welt, damit arbeiten zu dürfen.“

Das meint Peter Rath, Mitinhaber Lohmeyr, Wien.

 

Glashütte Theresienthal
Glashütte Theresienthal bei Zwiesel
König Ludwig I. im Eingang des Verkaufsraums
König Ludwig I. im Eingang des Verkaufsraums

1836 Errichtung des Glashüttengutes Theresienthal durch Franz Steigerwald. Die Erlaubnis, die Glashütte nach der Gemahlin von König Ludwig T. – Therese von Sachsen-Hildburghausen – benennen zu dürfen wurde am 19. September 1836 erteilt. Mit dem königlichen Steuererlass bei der Einfuhr teurer Fertigungsmaschinen entstand so die „Königlich Priviligierte Krystall-Fabrik Theresienthal“.

 

1836 gegründet, aber schon 1844 mußte die Glashütte Konkurs anmelden. Sie wurde von einer königlichen Bank übernommen. 1849 besuchte der König Max II. und Königin Marie von Bayern die Theresienthaler Glashütte, wohl in Sorge um die „Königlich priviligierte Glashütte“.
1861 erwirbt Johann Michael II. von Poschinger die mittlerweile arg in Not geratene Glashütte. Bis zum Tode des letzten Poschingers der Theresienthaler – Linie im Jahr 1977 war Theresienthal ununterbrochen im Besitz der adeligen Nebenlinie.

 

Es sind die ganz besonders designten und in höchster Handwerkskunst gefertigten mundgeblasenen Gläser, die Theresienthal in ganz Europa, in den Adelshäusern und bei den großen Weltausstellungen berühmt werden ließen. Und ein Glasmacher steht für viele dieser besonderen Gläser: Michael Fritz. Er kam mit 17 Jahren von der Glashütte Schachtenbach nach Theresienthal und schuf in den Jahren 1867 bis 1880 kunstvoll verzierte Biedermeier Gläser, die sich heute noch im Sortiment der Glashütte befinden. Auch den „Jugendstil“ findet man in vielen Serien.

Schönste Gläser auf Tischen und in Vitrinen. Alte und neue Designs

Bei der Wiener Weltausstellung 1873 stellte das berühmte Handelshaus Lobmeyr Wien die berühmten „Strohgläser“, gefertigt in Theresienthal, aus. Der Entwurf stammte von dem Wiener Professor Josef Hoffmann.

1873/74 – November 1877 entstand die Bahnlinie Plattling – Bayerisch Eisenstein über 74,4 km in nur 3,5 Jahren. Zwiesel bekam ein großes, stolzes Bahnhofsgebäude und ein lange, erdgeschoßige Güterhalle.
Endlich hatten die Glashütten des Zwieseler Winkels mit der Bahnlinie gute Transportmöglichkeiten nach Westen bis München und nach Osten bis Prag.

1973 übernahm Max Gangkofner – als Direktor der Staatlichen Fachschule für Glas und Holz in Zwiesel – die Führung in der Glashütte Theresienthal. 1976 nahm er die Hutschenreuther AG mit ins Boot. 1981 wurde Horst Enzensberger/Hutschenreuther AG beauftragt, eine Unternehmens- und Marktanalyse für Theresienthal durchzuführen. Auf dieser Basis wurden ca. 3,5 Millionen DM in die Glashütte investiert und alle Betriebsabläufe optimiert. Max Gangkofner konnte diese Strategie nicht mittragen und schied aus.  Theresienthal wurde von Hutschenreuther mit einer ausgeklügelten Verkaufsstrategie und viel Erfahrung im Verkauf bald in die schwarzen Zahlen geführt.
1996/97 kam es nach einer Zerschlagung der Hutschenreuther Gruppe zu einem Besitzerwechsel in Theresienthal. Ralph Wenzel kaufte für den symbolischen Wert von 1 DM die Traditionshütte und führte sie mit Max Hannes. Ein neuer 7-Hafen-Ofen wird für
680 000,- DM gebaut. Aber im Jahr 2000 gerät Theresienthal erneut in die Insolvenz.
2004 übernimmt die Eberhard von Kuenheim Stiftung, eine Stiftung der BMW AG die Glashütte und es wird wieder produziert.
Im März 2006 übernimmt Max Freiherr von Schnurbein Mehrheit und Geschäftsführung der Glashütte. Er führt die Traditons-Glashütte erfolgreich bis heute.

Heute 2018 bleibt nichts wichtigeres, als Max Freiherr von Schnurbein Glück, Geschick und Gottes Segen für die Zukunft der Glashütte Theresienthal zu wünschen.

In meinem Beitrag habe ich mich im Wesentlichen an den Inhalt des Buches „Theresienthal in alten Fotos, von Marita Haller und Gerhard Pscheid“ gehalten und an ein ausführliches Gespräch mit  Max Freiherr von Schnurbein am 20.03. 2018.

Die ganze Kollektion aller Gläser finden Sie auf der Webseite der Glashütte Theresienthal: >Theresienthal.de<

 

Emmausgang am Ostermontag

Mit diesem kurzen Beitrag möchte ich aufzeigen, wie sehr die Zwieseler mit dem Wohlergehen der Glashütte Theresienthal verbunden sind.

1899 errichtete die Belegschaft der Theresienthaler Glashütte eine kleine Kapelle auf dem nahe gelegenen, dicht  bewaldeten Kellerberg. Dekan Fürst weihte sie am 21. August 1899 im Namen der Theresienthaler Glasmacher der hl. Mutter Gottes. sie galt als Schutzpatronin der Glashütte.

Im Berg hinter der Kapelle befinden sich die weit verzweigten tiefen Stollen des aufgelassenen Bergwerkes Rotkot. Seit 1580 wurden in den Stollen „Eisenvitriol“ und „Brauneisenstein“ gewonnen. Längst sind die Stollen jedoch wegen nicht rentablem Vorkommens geschlossen. Sie dienen heute den Fledermäusen als Wohnung.

Theresienthaler Glasmacherfamilien gründeten 1904 den „Verein zur Erhaltung der Rotkotkapelle bei Theresienthal“ und führten den „Emmausgang“ ein.
Jedes Jahr am Ostermontag ziehen rund 400 Emmausgänger  hinauf zur Kapelle und bitten um den Erhalt der Theresienthaler Glashütte.

Mit dabei sind der Stadtpfarrer von Zwiesel, der Diletantenverein in historischen Glasmachergewändern, eine Blaskapelle, der Heimat- und Trachtenverein, ein Fahnenträger, die Zwieseler Glaskönigin und viele Bittgänger und fast immer auch der Glashüttenherr von Theresienthal. An der Kapelle wird eine Andacht gefeiert und der Geistliche segnet die mitgebrachten Glasobjekte.

Glas ist der Erde Stolz und Glück„, das schreibt Alfons Hannes in seinem Buch „Glas aus dem Bayerischen Wald“.
Hier sind noch einige Zitate zum Werkstoff Glas:

 

„Wo bist du, Glas-
Ich sehe dich nicht,
Nur den Strahl, der sich in dir bricht,
Du bist vielleicht nur ein Gleichnis vom Geist,
Ein Spiegel, von Bildern und Strahlen gespeist“Gerhart Hauptmann

 

„Solange im Wald der Ofen brennt, hat’s keine Not!“Glasmacherspruch

„Es ist nicht ganz leicht, sich vorzustellen,
wie das alltägliche Leben der Menschen sein würde,
wenn sie plötzlich dieses Werkstoffes beraubt wären,
der auf so geheimnisvolle Weise
mit dem Licht verwandt zu sein scheint“!Pius XII.

3 Kommentare zu “Glashütte Theresienthal in Zwiesel

  1. Harro Raster

    Faszinierend, wie sich da einige ‚Handfeste‘ zusammenfinden und mit sicherem Griff und Zugriff beherzt ihre Arbeit tun! Was sie schaffen, ist dinggewordene Durchsichtigkeit; diese hat neben der ästhetischen auch ihre moralische Qualität.
    Allen, die in der Glashütte Theresienthal zu tun haben einschließlich denen, die in Wort und Bild das Wunderschöne, das von dort kommt, ins gehörige Licht rücken, gelten unsere Bewunderung und guten Wünsche.

    Harro & Diete Raster

  2. Roland und Steffanie

    Sehr beeindruckendes Video von „harten Jungs“, die in faszinierender, körperlich wohl sehr anstrengender Weise einzigartige Kunst herstellen. Hinfahren und anschauen!

  3. Helmut Baumann

    Ein hervorragender Aufriss über die „Leider fast in Vergessenheit geratene“ Kubnst des Glasmachens – excellent gefilmt.

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